Rechtliches rund um Hund, Katze & Pferd

1. Ihre Haftung bei privater Tierbetreuung

3 Wochen Urlaub - Da sind viele Tierhalter darauf angewiesen, dass sich Freunde, Verwandte oder Nachbarn um den vierbeinigen Liebling kümmern. Doch für die Ersatz Herrchen und Frauchen ist das mit Risiken verbunden, an welche die wenigsten denken. Denn sie gehen einen Verwahrungsvertrag mit dem Tierhalter/Tierbesitzer ein. Damit haften sie unter Umständen auch für Schäden, die das Tier anrichtet - Und zwar in ganz empfindlicher Höhe. Darauf macht das Info-Center der R+V  Versicherung aufmerksam. Auch kleine Tiere (Hunde, Katzen) können schnell einen Unfall mit großem Schaden verursachen, beispielsweise wenn der Hund nicht angeleint ist, die Katze durch die Haustür entweicht und die Tiere plötzlich auf die Straße laufen. Auch ein Pferd oder eine Ziege sind mal schnell ausgebrochen, wenn man aus Unachtsamkeit die Koppel nicht richtig verschließt oder vergisst, den Strom anzuschalten. Ob der  privateTierhüter/Tiersitter in einem solchen Fall haften muss, hängt davon ab, wie sorgfältig er das Tier beaufsichtigt hat. 

Wenn der  private Tierhüter/Tiersitter beispielsweise bei der Hundebetreuung nicht mit der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt gehandelt hat, ist er für den Schaden verantwortlich. Auch wenn der Hund ihm nicht gehört. Die Frage nach dem Verschulden wird bei dem privaten Tierhüter/Tiersitter IMMER im Einzelfall entschieden. Im Gegensatz dazu haftet der Tierhalter/Tierbesitzer immer! Hat also der private Tierhüter/Tiersitter den Schaden verschuldet, kann ihn das teuer zu stehen kommen. Denn oft deckt die normale Haftpflichtversicherung dies nicht ab. 

Deshalb ist allen privaten Tierhütern/Tiersittern geraten, diese Aufgabe nur dann zu übernehmen, wenn der Tierhalter eine Tierhalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen hat. In der Regel sind die privaten Tierhüter/Tiersitter damit gegen Schäden an anderen Personen oder an Gegenständen mitversichert. Anders sieht der Fall aus, wenn das Tier zu Schaden kommt - Hierfür ist der private Tierhüter/Tiersitter nur dann verantwortlich, wenn er vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hat.


2. Die Haftung des Hundehalters/-besitzers wegen Hundebiss in der Hundepension

"BETREIBER EINER HUNDEPENSION KANN SCHADENERSATZANSPRUCH WEGEN HUNDEBISS ZUSTEHEN"

Gewerbliche und professionelle Tätigkeit des Hundepensionsbetreibers führt nicht zum Ausschluss der Tierhalterhaftung. Wird der Betreiber einer Hundepension von einem Hund gebissen, so kann ihm grundsätzlich ein Anspruch auf Schadenersatz zustehen. Der Umstand, dass der gewerblich und professionell tätig ist, führt nicht generell zu einem Ausschluss der Tierhalterhaftung. Dies kann allenfalls im Rahmen des Mitverschuldens zu einer Anspruchskürzung führen. Dies geht aus einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs hervor. Dem Fall lag folgender Sachverhalt zugrunde:

Im September 2011 wurde die Betreiberin einer Hundepension von deiner Border-Collie-Mischlingshündin in die Ober- und Unterlippe gebissen. Sie klagte aufgrund dessen gegen den Hundehalter auf Zahlung von Schadenersatz. Sowohl das Amtsgericht Vechta als auch das Landgericht Oldenburg wiesen die Klage ab. Das Landgericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Haftung des beklagten Hundehalters wegen der freiwilligen Risikoübernahme der klägerischen Hundepensionsbetreiberin ausgeschlossen sei. Sie habe die Herrschaft über das Tier vorwiegend im eigenen Interesse und in Kenntnis der damit verbundenen Gefahren übernommen. Dem Hundehalter sei demgegenüber eine Einflussnahme auf die Hündin nicht möglich gewesen. Der Bundesgerichtshof führte zum Fall aus, dass der Haftung des Hundehalters aus § 833 BGB nicht entgegengestanden habe, dass die Klägerin die Hündin für mehrere Tage in Ihre Hundepension aufnahm und für diese Zeit die Beaufsichtigung des Tieres übernahm. Denn die Tierhalterhaftung besteht grundsätzlich auch dann, wenn ein Tieraufseher/Tierhüter/Tiersitter, hier die Klägerin, im Rahmen seiner Aufsichtsführung durch das betreute Tier verletzt wird.

"KEIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS AUFGRUND FREIWILLIGER RISIKOÜBERNAHME"

Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs sei es wegen einer freiwilligen Risikoübernahme der Klägerin nicht zu einem Haftungsausschluss des Hundehalters gekommen. Eine solche vollständige Haftungsfreistellung des Hundehalters werde nämlich nur in wenigen Ausnahmefällen angenommen. Setzen sich Personen vorübergehend aus beruflichen Gründen einer Tiergefahr aus, ohne dabei die vollständige Herrschaft über das Tier zu übernehmen, liege ein solcher Ausnahmefall nicht vor (vgl. BGH, Urteil vom 17.03.2009 - VI ZR 166/08 = VersR 2009, 693). Zudem sei es regelmäßig unerheblich, so der Bundesgerichtshof weiter, dass der Hundehalter während der Unterbringung des Hundes in der Pension keine Einflussmöglichkeit auf den Hund hat.Denn die Tierhalterhaftung bleibe auch bei längerer Überlassung des Tieres an einen Dritten bestehen, wenn der Hundehalter weiterhin für die Kosten der Tierhaltung aufkommt, den allgemeinen Wert oder Nutzen des Tieres für sich in Anspruch nimmt und das Risiko seines Verlustes übernimmt. Die Professionalität der Hundebetreuung habe nach Ansicht des Bundesgerichtshofs ebenfalls nicht zu einem Haftungsausschluss des Hundehalters geführt. Denn es sei zu beachten, dass auch ein Fachmann nicht jede typische Tiergefahr beherrschen kann, vor allem, da er in der Regel die Eigenarten des Tieres nicht kennen wird. Da die gewerbliche und professionelle Übernahme der Hundebetreuung aber im Rahmen des Mitverschuldens berücksichtigt werden könne, hob der Bundesgerichtshof die Entscheidung des Landgerichts auf und wies die Sache zur Neutentscheidung zurück.


3. Zur Verkehrssicherungspflicht beim Gassi gehen im Rudel

Wer aus Gefälligkeit mehrere Hunde gleichzeitig (sogenanntes "Rudelführen") ausführt, muss sämtliche Hunde so beaufsichtigen, dass sie Dritte nicht gefährden. Der Hundeführer haftet, wenn er seine Verkehrssicherungspflicht verletzt, sodass einer der Hunde an einer Passantin hochspringen kann und diese sich verletzt.

Eine 22-jährige Frau ging mit 3 angeleinten Hunden Gassi. Neben ihrem eigenen Schäferhund hatte sie aus "Gefälligkeit" einen Boxermischling und den Cane Corso eines Bekannten mit dabei. Unterwegs sprang der große Cane Corso eine Passantin überraschend an. Der Hund wollte mit ihr schmusen. Die Frau stürzte dabei, verletzte sich und trug eine kleinere Gesichtsverletzung davon,die unter Narbenbildung verheilte. Sie verlangte von der Hundeführerin Schmerzensgeld in Höhe von 3000 Euro. Das Oberlandesgericht Hamm stellte fest: Die Hundeführerin hat ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt und haftet. Das gilt auf im Gefälligkeitsverhältnis!

Wer mehrere Hunde gleichzeitig ausführt, muss sämtliche Hunde so beaufsichtigen, dass sie fremde Menschen nicht gefährden. Das sogenannte "Rudelführen" ist nicht verboten, es steigert aber das Gefährdungspotential für Dritte und erhöht deswegen die an den Hundeführer zu stellenden Sorgfaltspflichten. Die Frau hat auch nicht gegen die gesetzlich geregelte Leinenpflicht verstoßen. Alle 3 Hunde waren angeleint. Anleinen allein reicht aber - je nach Größe des Hundes - nicht in jedem Fall. Sie hat den Cane Corso nicht so geführt, dass sie vermeiden konnte, dass er die Passantin anspringt und dadurch verletzt. Sie hätte vielmehr das Hochspringen des Hundes durch einen sicheren Griff verhindern müssen. Hier kommt erschwerend dazu, dass die Frau wusste, dass der Hund zum Schmusen gerne an Personen hochspringt und ihnen die Pfoten auf die Schultern legt.

Tierbetreuung für Huf & Pfötchen

Christine Philippi

Anton-Bruckner-Straße 29a, 66793 Saarwellingen

Büro:  +49 (0)6838 8658339

Mobil: +49 (0)170 2422897

eMail: info@philippi-mobilservice.de



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