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Entweder Privater oder Gewerblicher Tiersitter - Beides geht nicht!

Wer haftet? Tiersitter oder Tierhalter - und wann zahlt die Versicherung?

Manche Tier werden regelmäßig von professionellen Tiersittern betreut. Auch Familienmitglieder und Freunde springen gern einmal ein, um einen Spaziergang mit dem Hund zu machen, die Katzen zu füttern oder das Pferd zu versorgen. Es häufen sich in letzter Zeit auch bei mir die Anfragen von Tierhaltern, die Ihre Tiere während Ihrer Abwesenheit gleichzeitig von Freunden, Nachbarn (aus Gefälligkeit) und von mir, als professionellen Tiersitter (gegen Vertrag und Entgelt) betreuen und versorgen lassen wollen. Doch so einfach wie sich das manche Tierhalter vorstellen ist das nicht, denn wer haftet in dieser Zeit eigentlich, wenn etwas passiert? Welche Versicherung benötigt ein privater Gassigänger/Tiersitter? Wer haftet, wenn durch die Schuld des Nachbarn oder Freundes des Tierhalters der gewerbliche Tiersitter verletzt oder im schlimmsten Fall getötet wird?

 

WICHTIG zu Wissen - Die Sache mit der Sorgfaltspflicht

Voraussetzung für eine Haftung ist allerdings ein Verschulden des Tiersitters. Es kommt darauf an, dass er das Tier nicht mit der erforderlichen Sorgfalt beaufsichtigt bzw. geführt hat. Was erforderlich ist, ist vom Einzelfall abhängig. Besondere Eigenarten des Tieres spielen ebenso eine Rolle wie die Situation, die zum Schaden geführt hat. Wer beispielsweise mit einem Hund, der nicht folgt und gerne ausreißt, ohne Leine Gassi geht, muss besonders aufpassen. Sonst droht eine kostspielige Haftung, wenn der Hund beispielsweise auf die Straße läuft und einen Verkehrsunfall verursacht. Wer beispielsweise 2-3 Pferde zusammen von der Koppel führt und die Pferde reißen sich los und verursachen einen Unfall oder kommen möglicherweise selbst zu schaden handelt nicht nur grob fahrlässig, sondern hat auch eindeutig seine Sorgfaltspflicht nicht eingehalten und gefährdet sich durch sein Handeln auch noch selbst.

Mit entscheidend ist bei der Sorgfaltspflicht aber auch eine eventuelle Mitschuld der geschädigten Person. Hat sie beispielsweise den Hund möglicherweise gereizt? Ging sie sorglos auf den Hund zu, obwohl dieser Angst zeigte? Fuhr sie im Falle eines Verkehrsunfalls zu schnell? Eine Entlastung von der Haftung ist außerdem dann möglich, wenn das Tier den Schaden auch dann verursacht hätte, wenn die Sorgfalt beachtet worden wäre. Den Entlastungsbeweis muss dabei in beiden Fällen der Aufseher/Tierhüter und nicht der Geschädigte erbringen. Und hier liegt der Kasus-Knackpunkt! Gelingt ihm das nicht, droht die Haftung. Möglicherweise deckt den Schaden aber seine private Haftpflichtversicherung ab. Sicherheitshalber sollte, wer auch ein fremdes Tier aufpasst, bei seiner Versicherung vorher nachfragen. Denn mitunter gilt die Deckung nur für bestimmte Tiere.

Fallbeispiel I:

Eine Familie mit 2 Katzen fahren in Urlaub und möchten Ihre Katzen professionell betreut und versorgt wissen. Sie schließen mit einem gewerblichen, professionellen Tiersitter einen Vertrag ab, der beinhaltet, dass die 2 Katzen während der Betreuungszeit nur im Haus betreut werden sollen und keinen Freigang haben. Um Kosten zu sparen, möchten Sie, dass nur die Fütterung und das Säubern der Katzentoiletten übernommen werden soll. Fürs Schmusen, Spielen und Betüdeln der Katzen soll der Nachbar täglich zwischendurch zu den Katzen gehen. Der Nachbar weiß, dass die 2 Katzen eigentlich Freigänger sind und da beide nur an der Haustür sitzen und schreien und maunzen, lässt er sie aus Mitleid ohne das Wissen des gewerblichen Tiersitters und des Tierhalters raus. Eine der beiden Katzen wird überfahren und verursacht einen Unfall. Der Katzenhalter ist über diesen Vorfall verständlicherweise entsetzt und der professionelle Tiersitter ebenfalls.

Viele hilfsbereite oder auch professionelle Tierbetreuer wissen oft nicht, wie sie sich optimal absichern, denn eine pauschale Regelung gibt es leider nicht. Grundsätzlich haftet der Tierhalter gemäß § 833 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), wenn ein Tier einen Menschen verletzt oder tötet. Dies ist eine Gefährdungshaftung, wobei es auf das Verschulden des Tierhalters nicht ankommt.

 

Aber auch der Tieraufseher/Tiersitter kann nach § 834 BGB in Anspruch genommen werden, soweit er die Aufsicht durch VERTRAG übernommen hat! Gemäß § 840 Abs. 1 BGB haften Tierhalter und Tieraufseher/Tiersitter gegebenenfalls gemeinsam als Gesamtschuldner!

Fallbeispiel II:

Die Pferde gehören einer Familie, die auch Hofhunde besitzt und NUR für Ihre Pferde eine professionelle Betreuung wünschten während Ihrer Urlaubszeit. Der Hof, das Haus und die Hunde werden von Bruder und Schwägerin der Pferdehalterin betreut. Mit den Pferden haben beide nichts zu tun, wurde vertraglich mit dem Pferdhalter festgehalten. Das geht genau 2 Tage gut, dann übernehmen die "Privaten Haus- und Hundeaufseher" eigenmächtig die Fütterung der Pferde. Nach vorsichtiger Nachfrage des gewerblichen Tiersitters  und kurzer Auseinandersetzung wird akzeptiert, das dies NICHT vereinbart ist und auch NICHT tolerierbar ist, da dies mit dem Pferdehalter nicht abgesprochen ist. Es folgt eine Entschuldigung seitens der Verwandten mit dem Versprechen, sich nicht mehr in die Betreuung der Pferde einzumischen. Doch auch daran wird sich nicht gehalten. Die Pferde tragen witterungsbedingt Decken und sollen auch nach Anweisung des Pferdehalters eingedeckt bleiben. Da die privaten Haus- und Hundeaufseher jedoch der Meinung sind, es sei zu warm für Decken, wird der Auslauf ohne das Wissen des gewerblichen Tiersitters betreten und die Decken werden den Pferden ausgezogen. Am Abend fand der gewerbliche Tiersitter dann ein verletztes Pferd vor, welches sich wie mit einem Hackebeil den Schädel gespalten hat, was mit anschließender tierärztlicher Versorgung mit Teilsedierung, Klammern, Medikamentengabe und auch zusätzlichem Zeitaufwand für den gewerblicher Tiersitter einhergeht. Denn die medikamentöse Weiterbehandlung darf er nun übernehmen, da sich die privaten Tieraufseher dazu ja nicht zuständig fühlen. Jetzt kann man sagen "Das ist halt bei Pferden so. Da passieren halt auch mal Unfälle und wer das nicht erträgt, der darf mit Pferden nicht arbeiten". Das ist korrekt. Mit Pferden passieren Unfälle. Aber das hat mit der Sachlage an sich nichts, rein gar nichts zu tun. Deshalb ist es um so wichtiger, im Umgang mit Pferden, peinlichst genau die Sorgfaltspflicht einzuhalten und sich auch an Absprachen zu halten.

Besteht ein Vertrag mit dem gewerblichen Tieraufseher/Tiersitter?

Zumeist schließt der gewerbliche Tieraufseher/Tiersitter mit dem Tierhalter einen sogenannten "Verwahrungsvertrag" ab. Damit übernimmt der Tieraufseher/Tiersitter das Risiko, für vom Tier verursachte Schäden aufkommen zu müssen. Dieser Vertrag kann auch durch schlüssiges Handeln abgeschlossen werden. Für die Haftung nach " 834 BGB genügt nicht lediglich eine Aufsichtspflicht oder eine nur kurzfristige, tatsächliche Beaufsichtigung des Tieres. Im Gesetz wird ausdrücklich ein Vertragsabschluss vorausgesetzt (vgl. Oberlandesgericht Nürnberg NJW-RR, 91, 1500). Eine nur tatsächliche kurzfristige Beaufsichtigung des Tieres durch einen Familienangehörigen stellt in der Regel keinen Verwahrungsvertrag dar, so dass eine Haftung nicht eintritt.

Fallbeispiel III:

BEZAHLTE Tieraufseher/Tiersitter sind nicht über die private Tierhaftpflichtversicherung des Tierhalters versichert. Sie sind für das Tier verantwortlich und müssen für Personen- und auch Sachschäden aufkommen. Bezogen auf das Beispiel des ersten Falles ist er zusätzlich für die Verletzungen, die das Tier erleidet, haftbar zu machen. Deshalb sollten Profi-Tierbetreuer/Profi-Tieraufseher/Profi-Tiersitter unbedingt eine Tiersitterhaftpflicht/Tierhüterhaftpflicht abschließen. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen (Hüten bis 5, 10 oder 15 Tieren gleichzeitig) und beinhaltet zusätzlich noch die Privathaftpflicht für den Tieraufseher/Tiersitter und seine Familie.

 

WICHTIG!

Werden die Tiere in der Wohnung des Tierhalters betreut und dieser übergibt dafür seinen Wohnungsschlüssel, müssen auch so genannte Schlüsselschäden*) mitversichert sein. Denn bei Verlust des Schlüssels ist der Tieraufseher/Tieraitter für den Austausch des Schlosses haftbar zu machen.

Was übernimmt die Haftpflichtversicherung?

Hat der Tierhalter eine Tierhalter-Haftpflichtversicherung (THV) abgeschlossen, sind damit in der Regel auf die unentgeltlichen, nicht gewerblichen Tieraufseher/Tiersitter mit versichert. Wenn der Nachbar als Tierhüter einen Schaden erleidet, ist der Tierhalter wegen der Gefährdungshaftung des § 833 BGB haftbar. Der Tierhüter muss jedoch nachweisen, dass er seine vertragliche Aufsichtspflicht erfüllt hat und der Schaden auch bei Erfüllung der Sorgfaltspflicht entstanden sein würde. Ansonsten ist ihm evtl. ein Mitverschulden nach § 254 BGB zuzurechnen.  (vgl. Oberlandesgericht Frankfurt, MDR 96,590)

 

Wann springt die Unfallversicherung ein?

Wenn der Nachbar zum Beispiel einen Hund aus Gefälligkeit ausführt, ist das eine in der gesetzlichen Unfallversicherung versicherte Tätigkeit. Für die Verletzungsfolgen muss daher die gesetzliche Unfallversicherung aufkommen. Diese übernimmt Heilungskosten, nicht aber ein Schmerzensgeld  (vgl. OLG Stuttgart, Az. 2 U 213/01)

Fallbeispiel IV:

Die Familie bittet eine Nachbarin, den Hund auszuführen. Sollte sich ein Schadensfall wie im ersten Fallbeispiel ereignen, so ist dieser genauso abgesichert, wie alle Schäden an dritten Personen. Vorausgesetzt, der Versicherer hat die "Hütung durch fremde Personen" mit versichert. Dies ist aber bei nahezu allen Tarifen auf dem Markt der Fall (ausgenommen bei Pferden). Sollte die Nachbarin jedoch vom Hund oder der Katze gebissen werden, kann diese gegen den Tierhalter Ansprüche geltend machen. Dies ist über die Hundehaftpflicht, bzw. Privathaftpflicht bei Katzen mitversichert. 

 

Wichtig ist jedoch, dass das Ausführen des Hundes, das Betreuen der Katze ein "Freundschaftsdienst" der Nachbarn war, für den sie KEIN Entgelt erhalten haben.

Wer haftet während der Urlaubsbetreuung?

Wenn das Tier während der Urlaubspflege den Teppich des Tiersitters beschmutzt, besteht für den Tiersitter kein Schadensersatzanspruch, weil er sich dieser Gefahr freiwillig ausgesetzt hat. Dies gilt erst recht dann, wenn ihm bekannt ist, dass das Tier nicht stubenrein ist. Anders zu bewerten ist das Hüten fremder Tiere gegen Entgelt. Diese Dienstleister sind nicht über ihre eigene private Haftpflichtversicherung abgedeckt und brauchen eine eigene Versicherung, die sogenannte Betriebshaftpflichtversicherung.

 

Bei Hundepensionen, etc. gibt es zumeinst eine Vereinbarung innerhalb des Betreuungsvertrages zu Lasten des Tierhalters. Vorausgesetzt wird eine angeschlossene Hundehalter-Haftpflichtversicherung. Doch auch hier gibt es eine Mitverantwortung des Tierbetreuers.

Fallbeispiel V:

Als gewerblicher Tiersitter weiß man nie, wie das zu betreuende Tier auf die fremde Person reagiert, die das Haus, die Wohnung oder die Box betritt, wenn der Tierhalter nicht anwesend ist. Und, was man auch nicht weiß, wenn ein Nachbar, Freund oder Verwandter des Tierhalters kurz vorher das Tier "besucht" hat, was vorgefallen ist. Ist das Tier Gechillt und Tiefenentspannt oder hat es sich durch den Besuch aufgeregt und ist gestresst. 

FAZIT:

Wird das Tier nicht vom Tierhalter selbst ausgeführt oder versorgt/betreut, sollte der Versicherungsschutz zuvor IMMER geklärt sein. Bei regelmäßiger BEZAHLTER Betreuung durch einen gewerblichen Tieraufseher/Tiersitter sollte eine eigene Versicherung vorhanden sein, denn durch Tiere verursachte Schäden können schnell Kosten in Millionenhöhe entstehen.

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